Auf'n Spargel in die Pfalz

Auf’n Spargel in die Pfalz

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Wir haben zwar direkt hier vor Ort den besten Spargel der Welt – ich sag nur „Schmidener Feld“, aber man soll ja auch den Nachbarn mal ne Chance geben, ihre agrartechnischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Also auf in die Pfalz. Walter und Inge warten an der Felsenkellerei in Hessigheim und los geht’s durch das schöne Löchgau und Zabergäu Richtung Westen.

Die Sonne strahlt vom tiefblauen Himmel und wir sind froh, dass heute Sonntag ist und wir Zeit haben. Seit gestern hat die Basic wieder ihre eigenen Räder drauf und ich genieße statt des ungewohnten Metzeler Tourance der letzten Wochen nun wieder das beruhigende Rumpeln des Mitas E07, während wir über die Dörfer cruisen. Die Autodichte wird Richtung Cleebronn immer höher, nimmt aber schlagartig wieder ab, als wir den Freizeitpark Tripsdrill hinter uns gelassen haben. Der Parkplatz ist schon vor Mittag proppevoll, da muss heute die Hölle los sein. Wir erfreuen uns an der vom Weinbau geprägten Landschaft drumherum und spätestens auf der schönen Kurvenstrecke von Zaberfeld nach Häfnerhaslach ist mein neuer Vorderreifen endgültig eingefahren. Kurvig geht es weiter: Sternenfels, Sulzfeld, Kohlbachtal. Rundum werden auch die Spargelfelder zahlreicher: Wir sind in der Heimat des Bruchsaler Spargels angekommen. Die Gegend wird außerdem flacher und die ohnehin schon angenehme Temperatur klettert weiter – hier in der Rheinebene ist es immer wärmer als sonstwo.

Als die Räder in Leopoldshafen ausrollen, legt die Rheinfähre gerade ab. Macht nichts, wir haben ja Zeit und es gibt vom Custom-Umbau über viele Chopper bis zur typisch deutschen Wohnmobil-Armada einiges zu sehen. Man könnte auch meinen, jeder Fahrradbesitzer dieser Welt wollte das schöne Wetter nutzen, um mit seinem Drahtesel hier überzusetzen. Auch auf dem Fluss selbst herrscht reger Verkehr, die Fähre muss mehrfach stoppen, um Frachtschiffe durchzulassen.

 

Und sie können doch Spargel, nicht nur „dreggische Grombeere“ und Co.

Auf der anderen Seite angekommen, haben wir zugleich auch das Bundesland gewechselt, wir sind jetzt in Rheinland-Pfalz. Unser Weg führt weiter nach Westen. Bald erreichen wir den Kreis Südliche Weinstraße und genau so sieht es hier auch aus. Idyllische Dörfer mit viel Fachwerk, umringt von Weinbergen. Der Gasthof zum Lam in Gleiszellen hat die Chance, uns von der überall angepriesenen Pfälzer Gastlichkeit zu überzeugen. Draußen ist kein Platz mehr, also essen wir drinnen. Der Spargel schmeckt total anders als unser Fellbacher, ist aber ebenfalls superlecker. Die Pfälzer können’s also auch. Walter wählt eine regionale Spezialität: „Dreggische Grombeere“, auf Hochdeutsch „schmutzige Kartoffeln“ sind Bratkartoffeln mit Leber- und Blutwurst, dazu Spiegelei und bissel Gemüse. Sieht auch lecker aus…

Nach dem Essen bekommen wir einen Platz draußen, bestellen Kaffee und genießen einfach die Sonne und die Atmosphäre in der autofreien Winzergasse. Irgendwie hat keiner von uns Lust, aufzustehen und irgendwann ist klar, dass wir den geplanten Schlenker in die Nordvogesen streichen können. Es ist schon nach vier, als die Schatten der Häuser auch unseren Tisch erreichen und wir endlich aufbrechen und der Pfalz wieder den Rücken kehren.

 

Durch Wein und Neckar wieder Richtung Heimat

Unser Weg nach Nordosten führt noch eine Weile durch die gewohnt malerische Landschaft. An einem kleinen Denkmal für die Maginot-Linie halten wir nochmal an, irgendwie sehen die Überreste hier aus wie vergrabene, versteinerte Toblerone-Stücke. Dann gehen dem TomTom die Kurven aus und wir durchqueren die Rheinebene auf eher großen Straßen. Kurz vor Angelbachtal hat unser Navi seine Kurven wieder und wir swingen Richtung Bad Wimpfen, auf der Suche nach einer Eisdiele. Die gibt es dort sicher, aber wir haben keine Lust mehr auf viel Laufen und die Altstadt von Bad Wimpfen ist autofrei, da ist nix mit Durchfahren und einfach Suchen. Also runter an den Neckar und weiter gen Heimat.

In Kirchheim am Neckar werden wir schließlich fündig und landen auf dem Maibaumfest der örtlichen Feuerwehr. Die Biertischgarnituren stehen rund ums Bierzelt und – Bingo – direkt neben der Eisdiele. Also genehmigen wir uns ein Zwei-Gänge-Menü – zuerst Rote Wurst bzw. Currywurst und Brötchen. Dann ein leckeres Eis. Als wir den Platz verlassen, ist es schon nach acht. Also verabschieden wir uns von Walter und Inge, die nach Osten Richtung Heimat fahren, lenken die Mopeds auf die schnelle, aber landschaftlich ganz schöne B 27 und sind eine Stunde später wieder daheim. Gefühlsmäßig sind wir vor lauter Pausen kaum gefahren, aber trotzdem sind knapp 400 km mehr auf der Uhr.

 

Ein paar Fotos von unserer kleinen Spargeltour in die Pfalz

Bei Durchschauen der Fotos ist mir aufgefallen, dass ich ganz vergessen habe, den Protagonisten zu fotografieren. Also keine Spargelbilder, dafür Wohnmobile, Chopper und Pfälzer Idylle. Denn auch beim Fahren stand das Genießen gestern vor dem Fotografieren.

 

 

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