50 Jahre Pfadfindertrophäe

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Ein Interview mit Silvia Deppert über die etwas andere Art, Motorradtouren zu fahren 

Es gibt Motorradfahrer, für die sind die Alpen das Größte. Andere schwören auf ihre Hausstrecke, eben weil sie dort jeden Baum persönlich kennen. Und wieder andere suchen die ungewöhnlichen Motorraderlebnisse und fahren am liebsten dort, wo sie eher wenige Motorradfahrer treffen. Silvia Deppert aus Pfahlbronn im Rems-Murr-Kreis gehört ganz klar zur letzten Kategorie. Deswegen fährt sie seit acht Jahren sehr erfolgreich bei der Pfadfindertrophäe mit.

Hinter diesem etwas altmodischen Namen verbirgt sich eine Rallye, bei der es darum geht, jedes Jahr möglichst viele Orte anzufahren, die bestimmte Kriterien erfüllen. Das können Storchennester oder Hinkelsteine ebenso sein wie Bauwerke von Hundertwasser, Kulturhauptstädte Europas oder Orte, die eine Farbe oder ein Tier im Namen haben.

Pfadfindertrophäe 2013, Motorradtouren mit besonderen Aufgaben

Orte mit einem Tier im Namen lautete eine der Aufgaben der Pfadfindertrophäe 2013.

Wir haben Silvia gefragt, warum diese ungewöhnliche Art, Touren zu fahren, für sie so spannend ist.

Silvia: Einfach nur Spazierenfahren war mir irgendwann zu langweilig. Da traf ich auf einer Tour einen Motorradfahrer, der ganz begeistert erzählte, wieviel Spaß er jedes Jahr bei der Pfadfindertrophäe hat. Ich war sofort Feuer und Flamme, schaute im Internet nach, wie das Ganze funktioniert und seitdem bin ich dabei. Es gibt jedes Jahr drei verschiedene Aufgaben. Man kann nur eine machen, aber auch zwei oder alle. Im ersten Jahr entschied ich mich für „Menhire“ und ging auf Hinkelsteinsuche.

travel2wheels: Hört sich ein wenig nach Asterix und Obelix an – da warst du sicherlich in der Bretagne unterwegs, oder?

Silvia: Klar, aber nicht nur dort. Denn als ich mich ein bisschen mehr mit dem Thema beschäftigte, stellte ich überrascht fest, dass es beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern jede Menge Hinkelsteine gibt. Also auf in den Norden – auf die Idee wäre ich selbst gar nicht gekommen.

travel2wheels: Für dich sind die Aufgaben also quasi Inspirationsquelle für neue Tourenziele?

Silvia: Am Anfang war das tatsächlich meine Motivation. Aber mittlerweile ist es viel mehr. Durch das „Suchen“ komme ich viel intensiver mit den Menschen in Kontakt, als wenn ich einfach nur durchfahre. Ich lerne viele interessante Leute und immer neue Orte in ganz Europa kennen.

travel2wheels: Welche Aufgabe hat dir in den acht Jahren bisher am meisten Spaß gemacht?

Silvia: Da fallen mir spontan die Hinkelsteine aus dem ersten Jahr ein, für die ich drei Wochen alleine mit Zelt in Frankreich unterwegs war. Nach ein paar Tagen auf dem Campingplatz kannten alle Gäste die verrückte Deutsche, die mit dem Motorrad Hinkelsteine sucht. Ich bekam jeden Abend neue Tipps und irgendwann half mir dann der halbe Campingplatz beim Suchen. Das sind Erlebnisse, die du nie vergisst.

travel2wheels: Das war aber sicherlich nicht das einzige spannende Thema, oder?

Silvia: Eigentlich hat jede Aufgabe ihren Reiz und man lernt immer viel Neues. Ich hätte beispielsweise nie gedacht, dass ich mich mal intensiv mit dem Marquis de Vauban, dem Baumeister von Ludwig XIV, beschäftigen würde. Spaß gemacht haben mir auch die Störche. Viele Städte haben sogar Storchencams, also eigene Webcams zum Beobachten der Störche.

Pfadfindertrophäe 2012, Motorradtouren mit besonderen Aufgaben

Zwettl in Österreich hat einen Hundertwasser-Brunnen – und stand somit auf Silvias Tourenplan für die Pfadfindertrophäe 2012.

travel2wheels: Welche Aufgaben gibt es dieses Jahr und was hast du dir ausgesucht?

Silvia: In diesem Jahr habe ich mich für alle drei Aufgaben angemeldet. Ich werde also Motorradmuseen ebenso anfahren wie Stauseen. Die Aufgabe dabei ist es, die Orte herauszufinden, die überflutet wurden, als die Stauseen angelegt wurden.

travel2wheels: Die dritte Aufgabe heißt: Orte, deren Endbuchstaben zusammengenommen das Wort „Pfadfindertrophäe“ ergeben. Wie kann ich mir das vorstellen?

Silvia: Da besuche ich Orte, die mit dem entsprechenden Buchstaben enden und setze sie dann zusammen. Wenn ich beispielsweise ins Nachbardorf Alfdorf fahre, habe ich schonmal ein F. Für das P könnte ich nach Niedorp in Holland fahren und für das I nach Rimini. Das bleibt jedem selbst überlassen.

travel2wheels: Dann sind wir ja mal gespannt, wohin es dich dieses Jahr verschlägt.

Silvia: Ich habe mir vorgenommen, zum 50. Jubiläum fünfzigmal das Wort „Pfadfindertrophäe“ zu bilden. Deswegen fahre ich in diesem Jahr unter anderem nach Italien. Ich brauche ja 50 Orte mit einem I am Schluss und die sind in Deutschland schwer zu finden.

travel2wheels: Herzlichen Dank an dich für dieses interessante Gespräch. Wir gratulieren der Pfadfindertrophäe zum 50. Geburtstag und wünschen dir persönlich viel Erfolg und spannende Touren!


Die Pfadfindertrophäe: Wie alles begann…

Erfunden hat diesen immer noch einzigartigen Wettbewerb vor genau 50 Jahren kein Geringerer als Ernst Leverkus. Der als „Klacks“ bekannte Motorradjournalist arbeitete damals für die Zeitschrift „Das Motorrad“, die die Pfadfindertrophäe in den ersten Jahren veranstaltete. Irgendwann verließ Klacks die Zeitschrift, die daraufhin das Interesse an der Rallye verlor. Sie drohte in Vergessenheit zu geraten – wenn nicht begeisterte Teilnehmer beschlossen hätten, den traditionsreichen Wettbewerb in Eigenregie weiterzuführen. Auch das ist mittlerweile über 20 Jahre her.

 

Weitere Infos

Wenn du jetzt mehr wissen möchtest oder vielleicht sogar Lust hast, selbst mitzufahren, dann schau mal auf www.pfadfindertrophaee.de. Dort kannst du mit anderen Teilnehmern sprechen, mehr über die diesjährigen Aufgaben erfahren und dich natürlich auch anmelden.

9 Kommentare

  1. Schön geschriebener Bericht, interessant zu lesen was die Beweggründe sind, auf Tour zu gehen.

  2. Danke, Kim, für das Kompliment 🙂 Ich fand’s auch super spannend, mit Silvia zu sprechen. Sie hatte noch sooo viele Geschichten und Anekdoten, davon mache ich sicherlich noch den einen oder anderen Beitrag 🙂

  3. Herzlichen Glückwunsch, Silvia! Da hast du eine leidenschaftliche Erklärung für die Pfadfinder-Trophäe abgegeben. Besser kann man(n) es auch nicht. Es würde mich nicht wundern, wenn sich darauf hin andere Tourenfahrer für diesen einzigartigen Wettbewerb interessieren würden.

  4. @ Birgit
    Vielen Dank für den tollen Bericht !!!

    @ Johann
    Ich habe Birgit nur meine Erlebnisse erzählt, den tollen Bericht hat sie alleine verfasst

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