Nepal2018-Mongolei

Abenteuer Mongolei – Teil 2: Nord? Süd? Ab durch die Mitte!

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Mongolei – das klingt nach grenzenloser Weite, Freiheit und Abenteuer. Wir sind mehr als bereit für all das, als wir gegen Mittag im Oasis auf die Mopeds steigen. Der gewohnt chaotische Verkehr in Ulaanbaatar nervt zwar erstmal, aber je kleiner die Stadt im Rückspiegel wird, umso mehr steigt unsere Vorfreude. Denn heute beginnt unser ganz persönliches Abenteuer Mongolei: Wir machen uns auf den rund 1.500 km langen Weg nach Westen.

Der erste Teil der Strecke ist noch asphaltiert, aber weiter westlich erwarten uns über 700 Kilometer unbefestigte Wege und viel Natur, dafür wenig bis gar keine Infrastruktur. Dass auch das Wetter die eine oder andere Überraschung für uns bereit hält, wissen wir zum Glück noch nicht. Vorerst erfreuen wir uns am wieder grüner werdenden Land und der schon aus dem Norden bekannten Szenerie. Weite Graslandschaft, durchzogen von Bächen und Flüssen und gesprenkelt mit weißen Gers und kleinen und großen Herden freilaufender Tiere. Dank der gut ausgebauten Teerstraße können wir die Landschaft sogar genießen, ohne ständig Bodenwellen, Schlaglöcher und Schlimmeres befürchten zu müssen.

Nepal 2018 - Mongolei Landschaft

 

Aber warum eigentlich nach Westen? 

Die Mongolei hat nur zwei internationale Grenzübergänge, Khyagt/Altanbulag im Norden und Tsagaanuur/Tashanta im Westen. Die meisten Reisenden durchqueren das Land also entweder wie wir von Ulaanbaatar aus Richtung Westen oder eben umgekehrt. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Hauptrouten: die wegen der vielen Wasserdurchfahrten fahrerisch anspruchsvolle Nordroute und die leichtere, dafür landschaftlich wohl langweiligere Südroute.

Wir hatten uns im Vorfeld für die Südroute entschieden – wir wollen ja in Nepal ankommen, nicht auf Teufel komm raus Offroad fahren. Schon an der Grenze warnten uns aber russische Motorradfahrer, dass diese Strecke fast durchgängig Baustelle und daher im Moment eher ein Strand als eine Straße sei. Sie hätten sich zwar da durchgekämpft, aber Spaß sei was anderes. Berichte von Reisenden im Oasis bestätigen das. Zwei Deutsche haben ihre Mopeds auf den ersten 100 Kilometern so oft geschmissen, dass die Sozia des einen die weitere Mitfahrt verweigerte und von Khovd nach Ulaanbaatar geflogen ist. Verspurte Tiefsandpassagen, tiefen, losen Schotter oder einfach Bauschutt brauchen auch wir nicht über so eine lange Strecke. Also ist die Südroute schnell vom Tisch und ein neuer Plan muss her.

Die Nordroute soll zwar dank anhaltender Trockenheit dieses Jahr weniger schlimm sein als sonst, aber trotzdem trauen wir uns die über 30, teils anspruchsvollen Wasserdurchfahrten nicht wirklich zu.

 

Ab durch die Mitte – der leichte Einstieg ins Abenteuer Mongolei 

Die für uns beste Lösung ist schließlich der Weg durch die Mitte, den wir vorher noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Er verläuft ein Stück auf der Südroute, biegt aber bei Karakorum ab, um dann relativ gerade nach Westen zu führen. Am Khyargas Nuur können wir auf die Nordroute schwenken oder einfach weiter durch die Mitte bis Ölgii fahren. Also ein bisschen von allem und sogar noch die landschaftlich abwechslungsreichste Route. Ein weiterer Pluspunkt: Bis Tosontsengel sind nur Pässe und Nebenstraßen ungeteert. Unser Abenteuer Mongolei beginnt also mit rund 800 km Teerstraße und nur gelegentlichen Schotterstücken noch relativ easy – ein Einstieg, der uns sehr gut gefällt.

Am ersten Tag wollten wir eigentlich bis zum Khogno Tarna Nationalpark kommen, verquatschen uns aber bei einer Pause mit einem Einheimischen. Ary hat lange in Deutschland gelebt und freut sich sichtlich, deutsch sprechen zu können. Es ist nach sieben, als wir endlich weiter fahren. Als am Horizont bedrohlich dunkle Wolken aufziehen, verlassen wir die Hauptstraße kurz vor Gurvanbulag, fahren auf der leichten Erdpiste ein paar Kilometer außer Sichtweite und können uns dort nicht so recht für einen Zeltplatz entscheiden. Überall ist grüne Wiese mit toller Aussicht und überall stehen in einiger Entfernung ein paar Gers. Unsichtbar von der Hauptstraße ist also machbar, aber einsam ist es hier definitiv nicht.

Die ersten Regentropfen verlangen eine schnelle Entscheidung. Wir stehen gerade an einem relativ ebenen Platz neben einem Steinhügel, also bauen wir unser Zelt an Ort und Stelle auf. Keine Minute zu früh, denn kaum steht alles, ist das Gewitter da. Nochmal Glück gehabt, obwohl uns trotzdem ein bisschen mulmig zumute ist. Unser Zelt ist genauso hoch wie der Steinhügel und direkt daneben stehen zwei Eisenhaufen auf Rädern. Ansonsten gibt es hier nur Wiese und Kühe. Nach einer Stunde ist der Spuk aber vorbei, ohne dass der Blitz in Zelt oder Mopeds eingeschlagen hätte. Wir können also aufatmen und erfreuen uns am spektakulären Abendhimmel, der in den schönsten Farben leuchtet.

 

Greifvögel und Sanddünen – Khogno Tarna Nationalpark und Mongol Els, die „kleine Gobi“

Der Khogno Tarna Nationalpark fasziniert uns vom ersten Augenblick an durch seine abwechslungsreiche Landschaft. Als wir dann noch direkt neben der Straße auf einer Wiese zwei Mönchsgeier entdecken, sind wir vollends begeistert. Die riesigen Greifvögel kämpfen mit ein paar Hunden um die Reste eines toten Schafs – und gewinnen! Bis wir den Fotoapparat draußen haben, sind die besiegten Hunde leider schon von dannen geschlichen. Die Geier posen noch ein wenig, bevor sie sich ihrer Mahlzeit widmen.

Einige Kilometer weiter tauchen seltsam rundliche Felsen auf. Erst sind wir zögerlich, aber als wir sehen, dass Reisegruppen mit Jeeps dort herumfahren, lenken wir die Mopeds ebenfalls Richtung Hügel. Unerwarteterweise sind wir völlig allein – die Jeeps waren schon auf dem Rückweg. Wir können also nach Herzenslust auf den Felsen herumsteigen und in Ruhe ein paar Adler beobachten, die dort kreisen.

Schon vor Mittag völlig überwältigt von den vielen Eindrücken wollen wir ein paar Kilometer machen – und halten erneut an, als die gewohnt grüne Steppe übergangslos in Sanddünen übergeht. Ein Blick auf die Karte gibt Aufschluss: Wir sind in der Mongol Els, auch „kleine Gobi“ genannt. Da wir aus Zeitgründen die „echte“ Gobi gestrichen haben, freut es uns natürlich besonders, doch noch eine richtige Wüste zu Gesicht zu bekommen. Wir halten trotzdem nur kurz an, denn die Sanddünen sind ziemlich überlaufen – Touristengruppen reiten auf Pferden oder Kamelen umher, auch Quadtouren werden angeboten.

 

Die alte Hauptstadt des Dschingis Khan und das Kloster Erdene Zuu

Der nächste Stopp an diesem Tag ist das Kloster Erdene Zuu, das direkt südlich der kaum mehr vorhandenen Reste des einstigen Karakorum steht. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Highway in Pakistan, war Karakorum der Ort, von dem Dschingis Khan und seine Nachfolger im 13. Jahrhundert die Geschicke des mongolischen Reiches lenkten. Von der Hauptstadt steht leider nichts mehr, also besichtigen wir das Kloster, das zwar auch mehrfach zerstört, aber in Teilen wieder restauriert wurde und echt schön anzusehen ist.

Ich bin ganz überrascht, dass Erdene Zuu keinen Eintritt kostet, obwohl es eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Mongolei ist. Dafür gibt es vor dem Eingang eine richtige Touri-Meile mit Fressbuden, Souvenirständen, in Tracht gekleideten Menschen, die gegen eine kleine Gebühr für ein Foto zur Verfügung stehen und vieles mehr. Weil haben kaum die Mopeds geparkt, da versuchen einige Fressbudenbesitzer, uns wild gestikulierend in ihr jeweiliges Hoheitsgebiet zu locken. Wir haben zwar Hunger, steuern aber eine Bude mit weniger aufdringlichem Personal an. Unsere Entscheidung war wohl nicht die Beste, denn die Khuushuur sind nicht besonders gut. Ralf isst sie trotzdem, ich pule das Meiste des fetten Fleischs raus und begnüge mich mit dem Teig außenrum. Reicht auch, denn eigentlich ist es eh viel zu heiß, um frittierte Teigtaschen zu essen. Aber wie so oft in der Mongolei, ist die Auswahl begrenzt und sehr fleischlastig.

 

Maul- und Klauenseuche und die erste Nacht in Tsetserleg

Wir verlassen Erdene Zuu am frühen Nachmittag und überlegen, ob wir ins Olchon-Tal fahren und dort zelten oder lieber eine feste Unterkunft suchen sollen. Ralf ist für letzeres, denn seit dem Essen grummelt es ihm im Magen. Wir fahren also weiter Richtung Tsetserleg. Die nächsten paar Dörfer sind weiträumig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Läden und Tankstellen sind geschlossen und menschenleer. Polizisten bewachen das Szenario. Wir wundern uns erst noch, aber als wir dann über getränkte Schafwolle fahren müssen, die großflächig quer über der Straße liegt, erinnern wir uns wieder, was wir gestern noch im Oasis aufgeschnappt haben. Hier in der Gegend grassiert die Maul- und Klauenseuche. Außerhalb der Dörfer sieht man davon aber nichts, das Vieh grast wie gewohnt auf den Wiesen.

Nepal2018 - Mongolei

 
Der Weg ins Olchon-Tal ist ebenfalls abgesperrt. Also hat sich diese Option von selbst erledigt und wir quartieren uns im Fairfield Guesthouse in Tsetserleg ein. Von Australiern betrieben und mit angeschlossener Bäckerei, zieht es westliche Touristen an wie die Fliegen. Scheinbar die beste Option in der Stadt, wie uns mehrfach versichert wird. Die anderen Hotels machen auch keinen sooo guten Eindruck, aber ich war nicht drinnen. Leider regt sich auch bei ein Grummeln im Magen, allerdings nicht so schlimm wie bei Ralf. Das Fleisch in den Khuushuur war wohl echt nicht mehr gut. Umso freudiger stürzen wir uns auf das westliche Essen im Fairfield Café, wobei Ralf schon sehr vorsichtig ist und sogar Tee dazu trinkt.

Im schlechten Nachbarhotel ist die halbe Nacht Karaoke und unser Zimmer geht in diese Richtung. Was die Mongolen bloss an Karaoke finden? Das gibt es hier echt an jeder Ecke. Naja, wir genießen unsere bequemen Betten und die nahe Toilette. Hoffentlich sind unsere Mägen bis morgen wieder okay. Mit diesem frommen Wunsch schlafen wir trotz der lauten Musik schließlich ein.

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Hier geht es zu den anderen Teilen unserer Mongoleireise:
Abenteuer Mongolei – Teil 1: Der Norden, Naadaam und Ulaanbaatar

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