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Albanien: So nah und doch ganz weit weg von daheim

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Albanien ist zwar ein Umweg auf unserem Weg Richtung Osten, aber das Land steht schon so lange auf der „Hinwollen“-Liste, dass wir uns zumindest mal einen ersten Eindruck verschaffen möchten. An der Grenze werden wir aus Montenegro korrekt ausgestempelt, aber bei den Albanern einfach durchgewinkt, Wir müssen keinen Pass zeigen, bekommen ergo auch keinen Stempel, nicht mal anhalten müssen wir. Dafür verkündet das große Schild hinter der Grenze unübersehbar „Welcome to Albania“.

Willkommen in Albanien

nepal2018 welcome to albania Albanien

 
Das 8. Land auf unserer Reise vermittelt uns schon auf den ersten paar Metern das irrationale Gefühl, ganz weit weg von daheim zu sein. Die ersten Eselskarren tauchen am Straßenrand auf, Autos gibt es in den zwei Varianten „uralte Klapperkarre“ und „nagelneuer SUV“. Geschäfte scheinen bevorzugt in Garagen untergebracht zu sein – ein krasser Unterschied zum gerade verlassenen Montenegro. Was dort die Friseure, sind hier die Autowaschanlagen, von denen es gefühlt für jedes vorhandene Auto mindestens zwei gibt.

Shkoder durchqueren wir am Rande, unser Ziel ist der Campingplatz „Lake Shkodra Resort“, der uns von mehreren Freunden empfohlen wurde. Er liegt direkt am See und überzeugt mit Schatten, WLAN und blitzsauberen Sanitäranlagen. Wir fühlen uns sofort wohl, auch wenn die anderen Gäste überwiegend Rentner sind. Weil die bei Einbruch der Dunkelheit alle in ihren Wohnmobilen verschwinden, verbringen wir einen ruhigen Abend vor dem Zelt. Leider darf man kein Feuer machen.

Am nächsten Tag  genießen wir das den strahlenden Sonnenschein und lassen die Mopeds einfach mal stehen. Ralf chillt in der Sonne und installiert danach meine USB-Steckdose, die wir zwar daheim noch gekauft, aber aus Zeitgründen nicht mehr angeschlossen haben.

Albanien Nepal2018 Lake Shkodra Resort

 
Ich blogge ein wenig und beobachte neu angekommene Wohnmobilisten beim Einrichten ihres Camps. Lustigerweise bauen sie zuerst ein zirka 30 cm hohes Gatter auf, innerhalb dessen sie ihre Campingmöbel akkurat platzieren, bevor sie die Tür zum Wohnmobil öffnen. Heraus springen zwei Kläffies im Handtaschenformat, die sichtbar glücklich im extra für sie abgesperrten Bereich hin- und herrennen. Weil unsere Essensvorräte aufgebraucht sind und wir keine Lust zum Einkaufen haben – dazu müsste man ja Moped fahren – testen wir abends das campingplatzeigene Restaurant. Durchaus eine Alternative, wenn man mal keine Lust zum Kochen hat.

Auf der Nordroute nach Theth

Ausgeschlafen starten wir am nächsten Morgen – oder eher Mittag – Richtung Norden. Ziel ist Theth, das wir über die im oberen Teil ungeteerte, aber wohl einfach zu fahrende Nordroute erreichen möchten. Am Eingang zum Tal füllen wir unseren Vitaminhaushalt mit ein paar superleckeren Orangen auf, dann geht es erst recht geradeaus, dann in sanften Schwüngen und später echten Kurven immer höher hinaus. Strahlendblauer Himmel, weiße Häubchen auf den Bergen, unten saftig grüne Wiesen mit allerlei Viehzeug, dazwischen niedliche Dörfer – die Landschaft kann es locker mit manchem Alpental aufnehmen. Genuss pur!

 
Die Überraschung wartet weiter oben: Als wir längst mit Schotter rechnen, haben wir immer noch guten Teer unter den Rädern. Am Straßenrand liegt vereinzelt Schnee. Bevor unsere Augen dieses unerwartete Bild ans Gehirn weitergeben können, fahren wir plötzlich zwischen halbhohen Schneewänden. Wow, damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet, wie hoch sind wir hier nochmal? Keine Ahnung, Ralf zuckt ebenfalls die Schultern, aber von der Passhöhe mit ihren 1.630 Metern sind wir noch weit entfernt. Die Fahrbahn wird stetig schmaler und nur zwei Kurven später ist endgültig Schluss – wir stehen staunend vor einem gelben Schneeräumbagger. Der Fahrer meint, er müsse noch ungefähr ne Woche buddeln und räumen, bis Theth auf diesem Weg wieder erreichbar sei. Vom Valbonatal aus käme man jetzt schon hin.

 
Wir kehren also unverrichteter Dinge um, essen im nächsten Dorf eine leckere Forelle und genießen den Weg wieder raus aus dem idyllischen Tal. In Koplik gehen wir auf die Suche nach einem Verlängerungskabel. Erstmal erfolglos, denn im Elektroladen gibt es entweder zu kurze oder richtig lange, aber die Albaner sind ja findig und so besitzen wir 20 Minuten später ein nach Ralfs Wünschen eigens angefertigtes Kabel. Ab heute haben wir also Strom im Zelt. Nachdem der erfolgreich verlegt ist, schauen wir auf die Karte und beschließen, Theth auf ein anderes Mal zu verschieben und stattdessen morgen mit der Koman-Fähre zu fahren. Die Tickets sind online schnell gebucht und wir krabbeln früh in die Schlafsäcke, denn die Fähre startet um 9.00 Uhr und der Weg dahin ist wohl eher beschwerlich.

Koman, doch nicht Koman und tausend Kurven

Überraschenderweise sind wir am nächsten Morgen um kurz nach sechs tatsächlich startbereit. Einem Impuls folgend schalte ich kurz den Rechner an – und finde eine E-Mail der Fährgesellschaft, dass die Fähre heute ausfällt und der Ticketpreis erstattet wird. So ein Mist, da steht man schonmal mitten in der Nacht auf und dann ist es auch noch völlig umsonst. Wir fahren trotzdem los Richtung Koman, um den See wenigstens mal aus der Nähe zu sehen. Die berüchtigte Holperpiste dorthin ist nicht schwierig, aber Spaß macht das Gehoppel auch nicht. Naja, wir haben es selbst so gewollt, sind nicht im Stress und die Landschaft entschädigt zusätzlich.

 
Wie meist, geht der Rückweg gefühlt schneller und der Abstecher hat sich im Nachhinein echt gelohnt – hier ist es einfach schön. Wir kommen ganz sicher wieder, wenn wir das nächste Mal in Albanien sind. Zurück auf der Hauptstraße biegen wir links ab und genießen das Kontrastprogramm. Nagelneuer, perfekter Teer und tausend Kurven verleiten selbst uns dazu, mal so richtig am Kabel zu ziehen. In der Pause bei Puka dürfen wir noch ein paar albanische Chopper bewundern, dann ist es hinter Rrape an der Zeit, uns wieder Richtung Küste zu wenden.

 
Der Teer wird nur unwesentlich schlechter, wir kommen gut voran und sind vorm Dunkelwerden wieder am Campingplatz. Hinter uns liegt ein langer, toller, aber nicht ganz verlustfreier Motorradtag: Mein hinten am Koffer angebrachter Kanister samt Inhalt (zwei Liter Öl) liegt jetzt irgendwo in der albanischen Landschaft, weil der Halter gebrochen ist. Für Letzteren haben wir Ersatz, den Ralf sofort anbringt. Nun hängt dort die Bialetti, die ist leicht und somit keine Belastung für den Halter.

Ciao Albanien, bis zum nächsten Mal

Den Rest des Abends verbringen wir mit Packen und Schwätzen. Denn mittlerweile sind interessantere Gäste angekommen als die üblichen Wohnmobilisten. Klaus z.B. ist schon gut über 80 und hat vor 12 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Doris die Welt per Fahrrad umrundet. Mittlerweile sind die beiden mit einem umgebauten Nissan Navara unterwegs, aber immer noch weit entfernt vom ruhigen Rentnerleben. Ein junges Pärchen aus Braunschweig freut sich auf zwei Wochen Albanien mit dem Motorrad. Mit allen vieren können wir wunderbar Reisegeschichten austauschen. Eigentlich schade, dass wir schon weiter müssen. Aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist und so brechen wir am nächsten Morgen unser Camp ab. Beim Bezahlen bekommen wir eine Übernachtung geschenkt, weil gerade die Aktion „4x übernachten, 3x zahlen“ läuft. Gut gelaunt lenken wir die Mopeds Richtung Südosten. Ziel ist der Ohridsee, Wir haben ein Zimmer direkt in Ohrid-Stadt gebucht und das liegt schon in Mazedonien. Daher verlassen wir nach einem entspannten Tag auf mehr oder weniger holprigen Straßen gegen Abend Albanien, Wir waren nicht mal eine Woche hier, aber wir kommen wieder, versprochen!

Zum Schluß noch ein paar Fotos aus der Rubrik „Tiere im Straßenverkehr“:

2 Kommentare

  1. Ach schön

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