Und was passiert, wenn ich jetzt Nagoldtalsperre eingebe?

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Für mich der Satz des Tages. Vorausgegangen der erste Teil einer eher langweiligen Motorradtour (Route 7 aus dem ADAC-Roadbook Süddeutschland, fast nur Bundesstraße, unserer Meinung nach absolut nicht empfehlenswert). Aber von Anfang an: Ralf will heute ins Allgäu oder an den Bodensee fahren, aber ich muss noch arbeiten. Deswegen starten wir erst um 13.00 Uhr und jene ADAC-Route verspricht einen schnellen Weg von Owen nach Isny, also gesagt, getan und ausprobiert.

Im Lenninger Tal genießen wir noch die schönen Kurven hinter Gutenberg, ab da wird die Strecke stetig langweiliger, an Blaubeuren vorbei, dann Richtung Süden, immer noch Bundesstraße. In Biberach haben wir genug und machen erstmal Pause in der wunderschönen Altstadt. Die Mopeds dürfen an der Kirche stehen, schließlich ist Sonntag und so ist der Kirchgang gleich mit abgehakt. Wir gönnen uns derweil ein Eis in der Sonne – hach, ist das schön.

Sonntäglicher Kirchgang für Basic und TDM - wir essen derweil Eis.

Sonntäglicher Kirchgang für Basic und TDM – wir essen derweil Eis.

Die ADAC-Route hat ab hier verloren, wir beschließen, auf kleineren Landstraßen direkt an den Bodensee zu fahren.  Also die Mopeds über den Kirchhof geschoben – wir sind ja nett, ist nämlich Fußgängerzone – und weiter geht’s. Am Ortsausgang Biberach muss ich auf Reserve schalten, direkt vor einer Tankstelle. Wie praktisch. Ralf tankt gleich mit und fragt auf einmal, ob wir wirklich noch an den Bodensee wollen. Ich gucke etwas erstaunt, es war ja schließlich seine Idee.

Ralf: „Naja, es ist vier Uhr und noch ne gute Stunde Fahrt bis dahin – und dann sind wir wieder erst um acht daheim.“

Ich: „Okay, wenn dir das zu spät ist, lass doch den TomTom gleich kurvenreiche Strecke nach Hause routen.“

Ralf schweigt. Schweigt weiter – und dann kommt plötzlich: „Und was passiert, wenn ich jetzt Nagoldtalsperre eingebe?“

Damit hat er mich, ich starre ihn sprachlos an. Zur Erinnerung, wir befinden uns in Biberach, also am östlichen Ende der schwäbischen Alb. Und die Nagoldtalsperre liegt im Schwarzwald, in der Nähe von Freudenstadt. Also definitiv nicht auf dem Heimweg nach Stuttgart.

Ralf hat es schon eingetippt und verkündet freudestrahlend, dass es mit der Einstellung kurvenreiche Strecke „nur“ 168 km bis zur Nagoldtalsperre sind und der TomTom für den Ritt quer über die Alb in den Schwarzwald drei Stunden brauchen will. Mein lakonisches „Okay, wenn du dort unbedingt hin willst“ ist alles, was Ralf braucht. Ein Grinsen und schon geht es los.

Nach wenigen Kilometern ist klar, dass der TomTom definitiv bessere Ideen hat als das ADAC-Roadbook. Wir fahren durch kleine Dörfer, kürzen über Waldwege ab, sehen relativ häufig Schilder, dass Fahrzeuge über 3,5t oder auch 6t hier nicht durch dürfen und haben einfach nur Spaß. Dabei bewegen wir uns stetig nach Westen und das sogar relativ schnell, denn Ralf schlägt ein zügiges Tempo an.

Das hübsche Kloster Obermarchtal thront wie ein viel zu fetter Klops in der Landschaft. Ist aber wahrscheinlich nur unsere etwas verzerrte Wahrnehmung, weil wir seit einer halben Stunde nur noch kleine Dörfer und einzeln stehende Bauernhöfe gesehen haben. Bei Rechtenstein überqueren wir die Donau – auch hier kein Fotostopp, Ralf denkt gar nicht ans Anhalten. Vermutlich ist er in Gedanken schon beim leckeren Kuchen an der Nagoldtalsperre.

In Hayingen an der Kreuzung könnten wir rechts ins Lautertal abbiegen, ein paar Kilometer weiter links liegt Zwiefalten, einer unserer Lieblingskuchenstopps. Aber was tun Ralf und TomTom? Geradeaus fahren natürlich…  Das Landesgestüt in Marbach wäre auch ein toller Fotostopp, aber nix da. Der einzige Trost ist, dass die Strecke wirklich Laune macht. Gekonnt umfahren wir alle größeren Städte, die auf dem Weg liegen. Denn um Reutlingen, Tübingen und Nagold gibt es genügend kleine kurvige Straßen. Und der TomTom kennt sie alle.

Endlich angekommen beim Seeheiner an der Nagoldtalsperre.

Endlich angekommen beim Seeheiner an der Nagoldtalsperre.

Als wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht beim Seeheiner ankommen, kann ich Ralfs Frage beantworten: „Wenn du in Biberach ‚Nagoldtalsperre‘ eingibst, hast du zwei Stunden und 15 Minuten einfach nur Spaß, schöne Landschaft und theoretisch auch viele Gelegenheiten für Fotostopps – wenn man denn anhält.“ Nun ist es an Ralf, erstaunt zu gucken. Anhalten? Fotos? Egal – ist eh zu spät.

Jetzt nach 18.00 Uhr ist es ziemlich leer hier, aber immer noch kommen und gehen die Motorradfahrer. Es gibt also was zu gucken, außerdem Kaffee und doppelt Kuchen in die Futterluke. Doppelt, weil mein erster Gang ein Flammkuchen ist, der zweite der obligatorische Rahmkuchen mit Sahne.

Kaffee und Kuchen beim Seeheiner - und ein zufriedener Ralf.

Kaffee und Kuchen beim Seeheiner – und ein zufriedener Ralf.

Gegen halb acht machen wir uns auf den direkten Weg nach Hause. Überraschenderweise bekommen wir vor Calw noch eine letzte Dosis kleine Sträßchen, obwohl der TomTom auf „schnelle Strecke“ eingestellt ist, denn die Straße von Neubulach nach Calw ist gesperrt und die Umleitung führt über Wildberg. Ab da kennt der TomTom wieder fast nur kleine Straßen bis Weil der Stadt.  Dann die übliche Strecke nach Hause, wo wir gegen 21.00 Uhr ankommen.

385 km stehen auf der Uhr – ganz ordentlich dafür, dass wir eigentlich nur ne nette kleine Halbtagstour machen wollten. Und ich muss immer noch lachen, wenn ich nur an Ralfs Gesicht denke, dort in Biberach an der Tanke. „Und was passiert, wenn ich jetzt Nagoldtalsperre eingebe?“ Nun wissen wir’s und hatten jede Menge Spaß dabei.

Unsere heutige Route

Die etwas bereinigte Route als gezippter GPX-Track. Wie gesagt, der erste Teil ist nicht zur Nachahmung empfohlen, es gibt definitiv schönere Strecken von Stuttgart nach Biberach.

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