Museen-Rallye in Dänemark

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Eine Aufgabe der Pfadfindertrophäe im Jahr 2008 waren Museen in Europa. Um das Ganze noch ein bisschen interessanter zu machen, war nur ein Museum pro Thema zugelassen, also nur ein Automuseum, ein Motorradmuseum, ein Feuerwehrmuseum usw. Da es in Dänemark ziemlich viele Museen gibt, stand für mich schnell fest, dass die alljährliche längere Motorradreise in diesem Jahr nach Dänemark geht.

Zumal die Entfernung zwischen meinem Wohnort = Startort und dem Zielort für die Wertung eine große Rolle spielt. Ganz grob kann man sagen, dass es umso mehr Punkte gibt, je weiter ein von mir besuchtes Museum von meinem Wohnort weg ist. Und zwischen Stuttgart und Dänemark sind es ja doch ein paar Kilometer.

Dänemark ist weit – wenn so viele Museen auf dem Weg liegen

Meine Freundin Anja aus Lemgo wollte mich begleiten, also erstmal auf nach Lemgo, was von uns aus gesehen schon in der Nähe von Dänemark liegt. Den Weg dorthin nutzte ich natürlich für die Rallye, deswegen stand in Ostheim vor der Rhön der erste Fotostopp auf dem Programm: das Orgelbaumuseum. Über das Deutsche Tabakpfeifenmuseum in Oberelsbach in der Rhön ging die Fahrt dann auf die Wasserkuppe zum Deutschen Segelflugmuseum.

Kurz vor der Wasserkuppe machte meine NTV in einem kleinen Ort dann blubbblubbblubb und blieb stehen. Ein Blick auf den Tageszähler, nein, Sprit muss ich noch haben. Ich komme ca. 320 km weit und habe erst 240 km. Also mal hier und da gewackelt, das hatte mir mein Mann mal gesagt, ihr gut zugeredet, aber nein, sie will immer noch nicht. Handy raus, meine bessere Hälfte angerufen und mein Leid geklagt. Er fragte natürlich als erstes, ob ich noch Sprit hab, worauf ich beleidigt sagte: „Natürlich, das hab ich als erstes geprüft.“ Naja, nach etlichen Überlegungen meinte er, ich solle den ADAC rufen. Was ich natürlich nicht wollte. Also nochmal überall geschaut und gewackelt, an den Tank geklopft und das klang doch etwas leer. Nun kam ich drauf: Ich war zum ersten Mal mit der NTV voll beladen ein längeres Stück auf der Autobahn gefahren und hatte auch ein wenig Gas gegeben – da braucht sie wohl doch deutlich mehr als sonst. Auf Reserve umgestellt und das Motorrad sprang an, als wenn nichts gewesen wäre.

Ein paar Ortschaften weiter war auch eine Tankstelle. Aber verdammt…. was ist denn jetzt wieder los…. der blöde Tankdeckel geht nicht auf. Der Herr an der Nachbarsäule sah mein Bemühen, kam rüber und versuchte es auch, ebenfalls ohne Erfolg. Irgendwie „flutschte“ der Schlüssel nicht so richtig ins Schloss. In die Tankstelle rein und gefragt, ob sie ein paar Tropfen Öl für mich hätten, hatten sie natürlich nicht und nen ganzen Liter Öl wollte ich nicht kaufen. Da fiel mir ein, dass Anja mir mal erzählt hatte, sie habe mit ihrem Ölmessstab ein paar Tropfen irgendwo rein. Also Ölmessstab raus und ein paar Tropfen in das Tankschloss fallen lassen, 5 Minuten gewartet und siehe da…. der Schlüssel ging rein und ich konnte endlich tanken.

Über schöne kleine Sträßchen ging es dann nach Fulda zum Blockflötenmuseum, von dort durch verwunschene Dörfchen an der Werra lang bis zum Stockmachermuseum in Lindewerra. Sehr einsam war es hier, wunderschön mit wenig Verkehr. Dann wurde die Werra zur Weser und in Bad Karlshafen wartete das Deutsche Hugenottenmuseum. So war meine Wertungsliste schon um sechs Museen reicher, als ich abends bei meinen Freunden in Lemgo ankam.


Am nächsten Tag starteten Anja und ich gen Norden. Im Deutschen Zementmuseum in Hemmoor unterhielten wir uns lange mit einem Rentner, der dort auf einer Bank saß und früher mit den Gerätschaften gearbeitet hatte. Er gab uns auch den Tipp, uns auf unserer Weiterfahrt Deutschlands älteste Schwebefähre anzuschauen, was wir natürlich gerne taten. Die Fähre geht über die Oste und die Stahlkonstruktion sieht schon gewaltig aus.

Unser Weg weiter nach Norden führte über die Elbe, natürlich ebenfalls mit einer Fähre und von Wischhafen aus, denn dort gab es noch einen Fotostopp. Der nette Museumswärter am Küstenschifffahrtsmuseum war neugierig, was zwei Frauen mit Motorrädern wohl vor „seinem“ Museum wollten. Nachdem wir ihm das erklärten, war er total begeistert und kam gleich mit aufs Foto.

Bis zur Abfahrt der Fähre hatten wir noch ein wenig Zeit, die wir für einen heißen Kaffee am Fähranleger nutzten. Auf der Fähre kamen wir mit einer Gruppe Motorradfahrer ins Gespräch, die auf dem Weg zu einem Motorradtreffen waren. Der Himmel wurde immer dunkler und richtig dicke Regenwolken zogen auf. Wir zogen vorsichtshalber noch auf der Fähre unsere Regenklamotten an – eine gute Idee, denn genau, als wir von der Fähre fuhren, wo man ja nirgends gut anhalten kann, kam ein heftiger Regenschauer runter.

Nun ging es zügig quer durch Schleswig-Holstein, bis wir in der Nähe von Gelting an der Flensburger Förde unser Ziel erreichten: Noch von daheim aus hatten wir ein Gästehaus gebucht, das nicht nur wunderschön ist, sondern auch ein idealer Ausgangspunkt für unsere geplanten Tagestouren nach Dänemark.

Aabenteuer rund um Aabenraa

Bei einer dieser Touren kamen wir nach Aabenraa. Ich fuhr damals noch ohne Navi und so hielten wir auf einem Parkplatz an, weil ich mich orientieren wollte. Da fuhr ein Motorradfahrer vorbei und grüsste, drehte dann um und fragte, ob er uns helfen könne, er sei Deutscher, mit einer Dänin verheiratet und würde schon lange hier leben. Ich erzählte ihm, was ich brauche. Er kannte drei der vier gesuchten Museen und war so begeistert von der ganzen Aktion, dass er sein Handy zückte und seine Frau anrief, die auch das vierte Museum kannte.

Dann ging alles ruckzuck. Er setzte sich wieder aufs Motorrad, sagte uns, wir sollten ihm folgen, fuhr in einem Wahnsinnstempo durch die Stadt vor uns her von Museum zu Museum und machte dort die Beweisfotos mit mir. Beim letzten Museum klingelte sein Handy. Seine Frau war dran und das Essen sei fertig. Er fragte, wohin wir nun noch fahren wollten und kannte auch dieses Museum, das sei nur ein paar Orte weiter. Er würde uns hinbringen, aber er müsse nun erst zum Essen heim und wir sollen doch einfach mitfahren.

Ich überlegte den ganzen Weg, was denn Dänen so essen würden, stellte mir schon so exotische Dinge wie Stockfisch oder so was in der Art vor und war dann ganz enttäuscht, dass es ganz normale Frikadellen, Kartoffeln und Erbsen-Karotten-Gemüse gab. Soviel zu dänisch exotischer Küche. Nach dem Essen ging es weiter zum nächsten kleinen Museum. Das war leider geschlossen und es gab auch kein Museumsschild. Da klingelte unser Begleiter den armen Museumsbesitzer raus, der direkt vor dem Museum wohnte. Der hörte sich unser Anliegen an, holte ein Museumsschild raus und wir haben ein Gruppenbild mit Schild gemacht.

Unser Helfer aus Aabenraa wollte nun noch zu einem Kiosk auf der dänischen Seite der Flensburger Förde, wo sich Dienstags viele Motorradfahrer treffen, wir sollten doch mitfahren und könnten von dort aus über Flensburg wieder retour in unsere Unterkunft. So lernten wir den bekannten Motorradtreff Annies Kiosk in Sonderhav kennen. Wir wurden von unserem Begleiter allen seinen Bekannten dort vorgestellt und ausgiebig bestaunt, dass 2 Frauen, eine sogar aus der Nähe von Stuttgart (was klang, als würde Stuttgart mindestens am anderen Ende von Europa liegen) bis nach Sonderhav gefahren seien. Und – das Wichtigste darf ich nicht vergessen – hier gab es den besten Dänischen Spezial-Hot-Dog. Der war so lecker, dass wir sogar ein paar Tage später extra nochmals hingefahren sind.

Doch kein Tee im Tonder Grenzlandmuseum

Auf einer anderen Tour in Dänemark besuchten wir das Bauernhofmuseum, wo wir die hübsche Hundehütte sahen. Das Tonder Grenzlandmuseum war ebenfalls schnell abgehakt, dachten wir, machten unser Beweisfoto und stellten uns dann unter das Vordach des Museums, um unsere Regenkombis anzuziehen. Plötzlich ging die Tür auf und ein alter Herr sprach uns an. Eigentlich sei ja das Museum geschlossen, aber er habe uns gesehen und mache nun extra für uns auf.

Wir wollten ja nicht ins Museum und sagtem ihm das auch. Das ließ er nicht gelten, es sei so schlechtes Wetter und so kalt und wir sollen doch reinkommen und uns ausruhen, er würde uns auch gleich noch einen Tee kochen. Er war so nett und fürsorglich, dass Anja und ich uns anschauten und stillschweigend beschlossen, einen Tee mit ihm zu trinken.

Also deponierten nach dem Eingang unsere Helme, Tankrucksäcke und Regenkombis und schon bekamen wir eine Sonderführung durch das Museum, die wir ja gar nicht wollten. Ein warmer Tee wäre uns viel lieber gewesen. Fast jedes Stück im Museum wurde ausführlich erläutert….. es dauerte….. und dauerte…. und daaaaauerte……..

Da wir nicht unhöflich sein wollten, ließen wir das Ganze über uns ergehen, nutzten aber jede Gelegenheit, die Führung abzukürzen, was uns aber nicht oft gelang. Der ältere Herr war mit Feuereifer bei der Sache und passte tierisch auf, dass wir auch nichts vergaßen. Als wir es endlich geschafft hatten, jedes einzelne klitzekleine Stückchen im Museum zu bewundern, wollten wir eigentlich nur schnell weiterfahren, denn wir hatten noch ein gutes Stück bis zu unserer Unterkunft.

Nun fiel dem eifrigen Herrn noch ein, dass er uns ja einen Tee versprochen hatte. Wir verzichteten mit der Erklärung, dass wir noch einen weiten Weg hätten und atmeten auf, als er einsah, dass das mit dem Tee doch zu lange dauern würde, er müsse auch erst noch irgendwo Wasser holen. Juhuuu…. wir haben es geschafft und sind dem alten eifrigen Museumswärter entkommen.

Aber zu früh gefreut, wir bekamen ein dickes Buch in die Hand gedrückt und wurden lächelnd gebeten, uns doch bitte noch im Gästebuch zu verewigen. Ohje, das hat uns gerade noch gefehlt – was schreibt man da denn rein? Zum Glück fielen Anja ein paar Zeilen ein, dann wurden wir noch um eine kleine Spende fürs Museum gebeten.

Gerade als wir überlegten, was dem Herrn sonst noch einfallen könnte, hatten wir es endlich geschafft, zogen unsere Regenklamotten an und fuhren erleichtert Richtung Süden. Selten haben wir uns so gefreut, unsere rosenumrankte Unterkunft wieder zu sehen.

Ein Kommentar

  1. Danke, liebe Silvia, für diesen ausführlichen Bericht. Echt klasse, wie liebevoll du die kleinen Dinge beschreibst, die frau unterwegs so erlebt. Gerne mehr davon 🙂

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