Geschichten von unterwegs: A stone from Obelix

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Ich fahre schon seit etlichen Jahren die Motorradrallye „Pfadfindertrophäe“ mit, wo man jährlich wechselnde Aufgaben bekommt, die man dann mit dem Motorrad erledigt (hinfahren und Beweisfoto machen). Bei dieser Tour war ich für ein verlängertes Wochenende im Elsass unterwegs, um alte Rathäuser und Hinkelsteine zu fotografieren.

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Einer dieser Steine sollte in der Nähe eines Ortes stehen und ich fuhr durch den Ort in die Richtung, wo das sein sollte, konnte aber trotz mehrmaligem Rumkurven nichts entdecken, weder den Stein, noch einen Hinweis darauf. So fuhr ich wieder in den Ort retour, wo natürlich keine Menschenseele auf der Strasse war, die ich nach dem Stein hätte fragen können. Also nochmals zurück in die Richtung, wo der Stein sein sollte. Am Dorfausgang kam mir dann ein junger Mann auf einem Fahrrad entgegen. Also fix umgedreht, den Radfahrer eingeholt und langsam neben ihm hergefahren. Ich rief ihn an und er blieb stehen. Leider verstand er kein Deutsch, ich spreche nicht Französisch, so probierte ich es mit Englisch, was er aber leider auch nicht verstand.

Er war so traurig, dass er nicht verstehen konnte, was ich von ihm wollte, und so zog ich meinen Block und einen Stift aus dem Tankrucksack, malte einen Hinkelstein und erzählte ihm was von einem Menhir – a stone from Obelix, da ich dachte, den kennt doch jeder. Und siehe da, mein junger Helfer wusste sofort, was ich will. Er fing an zu reden wie ein Wasserfall, was ich aber ja leider nicht verstand. Dazu fuchtelte er mit den Händen in die Richtung, wo ich ja schon gesucht hatte.

Er bemerkte mein Unverständnis, nahm meinen Block und Stift und malte mir nun einen groben Plan, deutete auf ein gemaltes Viereck außerhalb und sagte was von Football. Ahhhh, das hab ich gesehen, ein paar Kilometer ausserhalb war ein Fussballplatz gewesen und dort irgendwo musste das sein. Ich bedankte mich und fuhr zu diesem Fußballplatz.

Hier waren nun eine Menge Autos und Leute, aber komischerweise nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf dem Gelände nebenan. Ich parkte und sprach ein junges Paar an, das mit einem Picknickkorb in Richtung dieses Geländes ging. Leider konnten diese auch nur ihre Heimatsprache und kein Deutsch oder Englisch. So fing ich wieder mit meinem Menhir – a stone from Obelix – an und siehe da, sie nickten, der Mann schnappte mich am Ärmel und wollte mich mit auf dieses Gelände ziehen. Dabei erzählte er mir irgendwas, das einzige, was ich davon verstand, war das Wort – Obelisk. Also blieb ich stehen und versuchte, ihnen zu erklären, dass ich keinen Obelisken, sondern einen „stone from obelix – Menhir“ suche. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie das verstanden haben, denn sie gingen kopfschüttelnd weiter.

Einen Versuch wollte ich noch machen. Wenn das zu keinem Ergebnis führt, dann fahre ich weiter, dachte ich,  denn es bringt ja auch nichts, wenn ich stundenlang erfolglos suche, da fahr ich dann lieber weiter zum nächsten Objekt und verzichte auf diesen einen Stein.

Auf dem Parkplatz standen drei ältere Damen und redeten miteinander – meine nächsten „Opfer“. Ich ging hin, sprach sie auf Deutsch an und konnte es fast nicht glauben, antwortet mir doch eine der Damen ebenfalls auf Deutsch. Ich erzählte ihr von meiner Suche und wurde dann erstmal ausgefragt. Sie fand das ganz toll, dass ich mit dem Motorrad alleine unterwegs bin, sogar weiter als 30 Kilometer von meiner Heimat entfernt und dann auch noch im Ausland.

Wir unterhielten uns eine Weile und dabei erfuhr ich, dass das Gelände neben dem Fußballplatz eine Kriegsgräberstätte ist. Dort seien Rumäniendeutsche begraben, die im Krieg für Deutschland gekämpft hatten. Sie selbst lebt als Rumäniendeutsche im Elsass und war an diesem Tag dort, weil ein Fest auf dem Friedhof sei. Den gesuchten Stein kannte sie nicht, aber ich solle mal den Weg am Fußballplatz vorbei laufen, wenn irgendwo ein Stein sei, könne der eigentlich nur in dieser Richtung sein.

A stone from Obelix - der lange gesuchte Hinkelstein...

A stone from Obelix – der lange gesuchte Hinkelstein…

Ich verabschiedete mich, lief in die angegebene Richtung und siehe da, nach 200 Metern fand ich an einem Baum ein kleines Schild mit der Aufschrift „Menhir 300 m“ und einem Pfei, der den Weg weiter entlang deutete. Also weitergelaufen, den Menhir gefunden, fotografiert und zurück zum Parkplatz.

Hier standen die drei Damen immer noch. Sie sahen mich zum Motorrad laufen, kamen zu mir rüber und wollten wissen, ob ich den Stein gefunden hätte. Ich bejahte und zeigte ihnen das Bild von dem Hinkelstein in meiner Kamera. Sie fanden die ganze Sache total interessant und so erzählte ich ihnen noch ein wenig über Menhire – das, was ich beim Suchen nach den Standorten über die Steine selbst gelernt hatte. Jetzt waren sie so begeistert, dass sie sich gleich auf den Weg zu dem Stein machten, aber nicht ohne sich vorher von mir zu verabschieden und sich zu wundern, was es alles so an interessanten Dingen in ihrer Gegend gibt, wovon sie keine Ahnung hatten.

So waren wir alle gücklich. Die Damen trabten Richtung Hinkelstein und ich fuhr weiter und fotografierte noch ein paar Rathäuser.

Mehr Infos zur Rallye findet ihr im travel2wheels-Interview oder auf der Website der Pfadfindertrophäe.

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