Einmal Blautopf und zurück – über die schwäbische Alb ins Remstal

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Samstag = Schafftag. So isch des hier in Schwaben. Gestern traf es auch mich. Ich „durfte“ ins Büro, während Ralf und Tomy, unser indonesischer Besuch, sich im Nordschwarzwald vergnügten. Um wenigstens ein bisschen Vorfreude genießen zu können, habe ich schon mal unsere heutige Tour geplant – einen Mix aus meinen Lieblingsstrecken über die schwäbische Alb, den klassischen Routen, die man Motorradbesuch einfach zeigt, und ganz vielen neuen Abschnitten, die Ralf und ich noch nie gefahren sind. Mit dem Blautopf ist sogar eine Touristen-Attraktion vorgesehen. Den kannte ich nämlich bis heute auch nur vom Hörensagen.

Wir starten ganz gemütlich gegen 10.00 Uhr, sind aber noch keinen Kilometer gefahren, da halten wir schon das erste Mal an. Nämlich vor dem Wahllokal, wir müssen ja noch ein paar Kreuzchen machen. Das ist schnell erledigt und dann geht es wirklich los.  B 10, Kirchheim/Teck – die übliche Anfahrt auf die schwäbische Alb. Kurze Zeit später haben wir mit der Strecke von Hepsisau nach Schopfloch schon einen meiner absoluten Favoriten unter den Rädern. Es ist wenig los, gerade richtig zum Einswingen auf das Kurvenkarussell, das uns heute noch bevorsteht. In Schopfloch Blinker rechts und den Berg wieder runter nach Gutenberg. Über Grabenstetten und die netten Kurven im Elsachtal erreichen wir Bad Urach und seinen historischen Marktplatz – den Ort für unser Frühstück. Mittlerweile ist es zwar fast Mittag, aber egal.

Tomy und ich in einer der unzähligen Kurven auf der Schwäbischen Alb.

Tomy und ich in einer der unzähligen Kurven auf der Schwäbischen Alb.

Satt und zufrieden starten wir die Motoren zur zweiten Etappe. Dass jetzt einige der bekanntesten Routen der schwäbischen Alb auf dem Programm stehen, merken wir sofort. Der zweirädrige Verkehr nimmt zu, wir grüßen fast permanent. Hengen, Seeburg, Münsingen, Lautertal bei strahlendem Sonnenschein. Kurzer Stopp am Bootshaus, aber uns steht der Sinn mehr nach Fahren – Pause hatten wir ja gerade erst. Ab Hayingen begeben wir uns dann auf unbekanntes Terrain, nämlich Richtung Nordosten. Sonst fahren wir immer bis Zwiefalten und biegen dann nach Süden ab.

Also Augen auf und genießen. Über die Albhochfläche, durch nette kleine Dörfer, vorbei an Schloß Granheim, das für 2,8 Millionen zum Verkauf steht… Abwechslungsreich geht es ins Schmiechtal, aber nur kurz, denn ab Hütten lockt die tolle Bärentalstraße wieder nach oben. In Schelklingen fahren wir statt der langweiligen B 492 noch einen kleinen Schlenker über die schöne Kurvenstrecke von Beiningen runter nach Gerhausen, bevor wir endgültig in Blaubeuren einrollen und vor lauter Menschen gar nicht mehr wissen, wohin. Es ist verkaufsoffener Sonntag und Mittelaltermarkt, überall Besucher. Aber wo bitte ist der Blautopf? Nach mehrmaligem Fragen erfahre ich, dass man mit dem Motorrad bis dorthin fahren darf und das machen wir dann, sehr zum Unmut einiger Fußgänger. Aber da müssen die durch.

Am Blautopf selbst ist der klassische Tourirummel mit Andenkenläden, Postkartenständern und allem, was dazu gehört. Ralf und Tomy setzen sich ins Café, ich schnappe mir die Kamera und laufe mit gefühlten Millionen anderer Touristen um den Blautopf herum. Der ist nicht groß, aber absolut idyllisch und – Wunder, oh Wunder – tatsächlich richtig blau. Das Wasser ist außerdem total klar, so dass man am Rand sogar die Unterwasserwelt bestaunen kann.

Fast wie auf einer Kitschpostkarte: Idylle am Blautopf

Fast wie auf einer Kitschpostkarte: Idylle am Blautopf

Eigentlich wollten wir in Blaubeuren zu Mittag essen, aber irgendwie steht uns der Sinn eher nach Ruhe statt Rummel. Also flüchten wir und erfreuen uns an den tollen Kurven gleich oberhalb vom Blautopf. Mittlerweile ist es nach 15.00 Uhr, deswegen sind die Gaststätten in den nächsten Dörfern alle geschlossen. In Temmenhausen dann eine weiß getünchte Mauer als riesiger Wegweiser zum „Gasthof am Berg“, auf dessen Terrasse wir einen ruhigen Platz und ein leckeres Essen bekommen.

Weil wir Tomy auch den Aasrücken (Walters Rubinettestopp) bei Hohenstaufen zeigen möchten, geht es weiter Richtung Geislingen, allerdings nicht über die „große“ Geislinger Steige, sondern über die kleinere Weiler Steige, in deren Kehren fast Alpenfeeling aufkommt. Nach Geislingen rein und gleich wieder rechts raus. Ab Stötten sind Ministräßchen durch weite Felder angesagt. Dafür, dass es fast geteerte Feldwege sind, ist hier ziemlich viel Verkehr, allerdings sind wir die einzigen Motorradfahrer. Wir cruisen mit gemäßigtem Tempo durch die Landschaft, da überrascht uns plötzlich diese Aussicht:

Geniale Fernsicht hoch über Donzdorf

Geniale Fernsicht hoch über Donzdorf

Also erstmal genießen und ein paar Fotos machen, bevor es weiter geht.  In Donzdorf biegen die Mopeds fast schon von alleine rechts ab – kein Wunder, denn die Straße führt nach Lauterstein. Mit dem „Ställe“ lernt Tomy heute schon den zweiten Bikertreff kennen und hier halten wir auch auf nen Kaffee an.

Kaffee und für Ralf auch Kuchen im "Ställe"

Kaffee und für Ralf auch Kuchen im „Ställe“

Weil der „Ställe“-Besuch nicht in meiner Tour eingeplant war, lassen wir uns vom TomTom zum Aasrücken führen. Kurzer Aussichts-Stopp, dann sollte es eigentlich über Hohenstaufen heimwärts gehen. Aber die Sonne scheint so schön, da mögen wir noch gar nicht nach Hause. Also Navi ignorieren und über Maitis runter ins Remstal. Am Kloster Lorch halten wir nochmal an, weil der römische Limesturm offen ist und außerdem ein schönes Fotomotiv bietet.

Der römische Limesturm am Kloster Lorch

Der römische Limesturm am Kloster Lorch

Dann ist Ralf in seinem Element und auf Strecken, wo er sich auch ohne Navi auskennt. Welzheim, Laufenmühle, Rudersberg, Althütte, wir könnten immer so weiter fahren. Ein letzter Stopp am Ebnisee, wo wir überrascht feststellen, dass die Uhr schon 20.15 Uhr zeigt. Also machen wir uns schweren Herzens dann doch auf den Heimweg, natürlich mit ein paar netten Schlenkern.

Fazit: Knappe 350 kurzweilige Kilometer und von ällem ebbes. Kennt ihr diese Tage, wo einfach alles passt? So einer war für mich heute.

Unsere gefahrene Route:


Größere Kartenansicht

… und weil Google Maps sich irgendwie weigert, sie exakt darzustellen, auch nochmal als gezippter TomTom Routenlink zum Download:  blautopf-250514.zip

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